Google kündigt das Agent2Agent-Protokoll an
Google hat A2A am 9. April 2025 mit über 50 Partnern angekündigt. Wir erklären Agent Cards, Task-Lebenszyklen und Artefakte, grenzen A2A von MCP ab und zeigen, welche technischen und organisatorischen Fragen der Entwurf bewusst offenlässt.
Agenten ohne gemeinsame Sprache
Unternehmen beginnen, mehrere KI-Agenten parallel zu betreiben: einen Einkaufsagenten auf LangGraph, einen Supportagenten auf CrewAI, einen Herstelleragenten in Salesforce oder SAP. Jedes Framework bringt eigene Nachrichtenformate, Zustandsmodelle und Aufrufkonventionen mit. Agenten aus unterschiedlichen Stacks können deshalb keine Arbeit delegieren, ohne individuellen Integrationscode. Jede neue Paarung bleibt eine Einzelanfertigung; die Zahl der Verbindungen wächst quadratisch mit der Zahl der Agenten.
Für eine Hälfte dieses Problems gibt es bereits einen Standard. Seit November 2024 beschreibt Anthropics Model Context Protocol (MCP), wie ein Agent Werkzeuge und Daten anbindet. Für die andere Hälfte — die Kommunikation zwischen Agenten — fehlte ein vergleichbarer Vertrag. Punkt-zu-Punkt-Brücken existieren, lösen das Interoperabilitätsproblem aber nicht. Genau diese Lücke soll A2A schließen.
Was Google am 9. April angekündigt hat
Am 9. April 2025 hat Google auf der Cloud Next in Las Vegas das Agent2Agent-Protokoll (A2A) vorgestellt: ein offenes Protokoll für die Kommunikation zwischen KI-Agenten, gestartet mit Unterstützung von mehr als 50 Technologiepartnern — darunter Atlassian, Box, Cohere, LangChain, MongoDB, PayPal, Salesforce, SAP, ServiceNow und Workday — sowie Dienstleistern wie Accenture, Deloitte und McKinsey.
Die Spezifikation ist ein Entwurf, als Open Source auf GitHub veröffentlicht und wurde gemeinsam mit Googles quelloffenem Agent Development Kit (ADK) und einem AI Agent Marketplace angekündigt. A2A baut auf HTTP, Server-Sent Events und JSON-RPC auf — bewusst unspektakuläre Standards, die durch Unternehmens-Firewalls kommen. Das Modell kennt zwei Rollen: Ein Client-Agent formuliert Aufgaben, ein Remote-Agent führt sie aus. Eine produktionsreife Version kündigt Google für später im Jahr 2025 an.
Agent Cards und Capability Discovery
Discovery läuft über die Agent Card: ein JSON-Dokument, das ein Remote-Agent unter einer wohlbekannten URL bereitstellt, typischerweise /.well-known/agent.json. Die Card deklariert Identität, Skills, Endpunkt, unterstützte Ein- und Ausgabemodalitäten sowie Authentifizierungsanforderungen. Ein Client-Agent liest die Card und entscheidet, ob das Gegenüber eine Aufgabe übernehmen kann — maschinenlesbare Fähigkeitsbeschreibung, vergleichbar mit dem, was OpenAPI-Beschreibungen für REST-APIs geleistet haben.
Damit endet die Discovery im aktuellen Entwurf. Eine Registry, Suchinfrastruktur oder Prüfung der Einträge ist nicht definiert. Die Agent Card beschreibt einen bekannten Kandidaten; sie beantwortet weder, wie ein Client diesen Kandidaten findet, noch warum er ihm vertrauen sollte. Beides bleibt außerhalb der Spezifikation.
Tasks als Arbeitseinheit
A2A-Kommunikation ist auf Tasks ausgerichtet. Ein Task ist ein zustandsbehaftetes Objekt mit eindeutiger ID und definiertem Lebenszyklus: submitted, working, input-required, completed, failed, canceled. Ergebnisse sind Artefakte, zusammengesetzt aus Parts mit ausgehandelten Inhaltstypen — Text, Dateien, strukturierte Daten. Das Protokoll ist bewusst modalitätsagnostisch; Audio und Video sind als Ziele benannt.
Langlaufende Arbeit ist der Kernfall, kein Randfall. Statusmeldungen streamen über SSE, Push-Benachrichtigungen decken Tasks ab, die Stunden oder Tage laufen, und der Zustand input-required modelliert Human-in-the-Loop-Schritte. Das ist die zentrale Designentscheidung: A2A behandelt Arbeit zwischen Agenten als asynchrone Jobs mit beobachtbarem Zustand, nicht als Chatverlauf.
A2A und MCP ergänzen sich
Google positioniert A2A ausdrücklich als Ergänzung zu Anthropics MCP, das am 25. November 2024 vorgestellt wurde. Amin Vahdat, bei Google Cloud VP für ML, Systems und Cloud AI, fasste die Arbeitsteilung zum Launch so zusammen: MCP verbindet Modelle mit Daten und Werkzeugen, A2A schafft Interoperabilität zwischen Agenten. In der Praxis wird ein Agent beides nutzen — MCP nach unten zu seinen Tools, A2A zur Seite zu seinen Peers.
Diese Arbeitsteilung ist technisch relevant. Ein MCP-Tool wird mit definierten Eingaben aufgerufen und liefert ein Ergebnis. An einen A2A-Remote-Agenten wird dagegen Arbeit delegiert: Er plant selbst, stellt Rückfragen und kann einen Auftrag ablehnen. Die Protokolle bilden damit unterschiedliche Verträge ab — Funktionsaufruf-Semantik auf der einen, Task-Lebenszyklen auf der anderen Seite.
| Aspekt | MCP (Anthropic) | A2A (Google) |
|---|---|---|
| Angekündigt | 25. November 2024 | 9. April 2025 |
| Verbindet | Agent mit Werkzeugen und Daten | Agent mit Agent |
| Schnittstelleneinheit | Tools, Ressourcen, Prompts | Tasks mit Artefakten |
| Gegenüber | Deterministischer Tool-Aufruf | Opaker autonomer Agent |
| Discovery | Konfigurierte Server | Agent Card unter wohlbekannter URL |
Was A2A nicht leistet
A2A teilt weder Gedächtnis noch Kontextfenster noch Werkzeuge zwischen Agenten. Agenten bleiben füreinander bewusst opak; über die Grenze gehen nur Tasks, Nachrichten und Artefakte. A2A orchestriert auch nicht: Welcher Agent welche Aufgabe in welcher Reihenfolge erhält, entscheidet weiterhin die Anwendung.
Auch semantische Interoperabilität entsteht nicht automatisch: Zwei Agenten können A2A sprechen und die Artefakte des jeweils anderen dennoch falsch deuten. Hinzu kommt der Entwurfsstatus der Spezifikation. Die Authentifizierung folgt der OpenAPI-Praxis, doch organisationsübergreifende Identität, Agenten-Registries und Haftung für delegierte Aktionen bleiben offen. Wer A2A im April 2025 produktiv einsetzt, baut daher auf beweglichem Untergrund. Wir nutzen es als Schnittstelle für Prototypen, noch nicht als unveränderliches Fundament.
Offene Governance als Signal
Die Partnerliste ist selbst eine Governance-Aussage. Salesforce, SAP, ServiceNow und Workday konkurrieren in mehreren Märkten mit Google; ihre Namen beim Launch signalisieren, dass A2A ein Branchenprotokoll sein soll, keine Google-API. Google erklärt, das Protokoll offen und mit klaren Beitragswegen weiterzuentwickeln, und hat den Entwurf unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht.
Die Geschichte lehrt Vorsicht und Hoffnung zugleich. Protokolle gewinnen Wert durch Neutralität; Standards unter Kontrolle eines einzelnen Anbieters neigen zur Fragmentierung. Der glaubwürdige nächste Schritt wäre die Übergabe von A2A an eine neutrale Foundation mit geteilter Governance. Ob Google ihn geht, wird mehr aussagen als jedes Detail der Spezifikation.
Ausblick aus dem April 2025
Aus Sicht des April 2025 zeichnet sich damit ein Stack aus zwei schlanken Schichten ab: MCP für Agent-zu-Tool, A2A für Agent-zu-Agent. Diese Arbeitsteilung trägt allerdings nur, wenn die produktionsreife Version noch in diesem Jahr erscheint und unabhängige Implementierungen folgen. Wir beobachten deshalb drei Punkte: Registry- und Discovery-Infrastruktur, verifizierbare Agentenidentität sowie die Reaktion von Anthropic und OpenAI.
Die praktische Konsequenz ist unabhängig vom Ausgang. Entwerfen Sie Agentengrenzen bereits heute als Task-Schnittstellen mit expliziten Eingaben, beobachtbarem Zustand und typisierten Artefakten. Diese Struktur passt zu A2A, auch wenn sich Details der finalen Spezifikation ändern. Innerhalb von zwölf Monaten wird das Protokoll entweder zur Interoperabilitätsschicht für Unternehmens-Agenten oder in Herstellerdialekte zerfallen. Mehr als 50 Partner zum Start sind ein starkes Signal für den ersten Weg, noch kein Beweis.
Quellen
- Announcing the Agent2Agent Protocol (A2A) — Google Developers Blog (April 9, 2025)
- Build and manage multi-system agents with Vertex AI — Google Cloud Blog (April 9, 2025)
- Google's Agent2Agent Protocol Helps AI Agents Talk to Each Other — The New Stack (April 9, 2025)
- Introducing the Model Context Protocol — Anthropic (November 25, 2024)
- A2A protocol draft specification — GitHub google/A2A (April 2025)
